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MHD, Charge & LOT im Fulfillment

BESTAND & RÜCKVERFOLGBARKEIT

MHD, Charge & LOT im Fulfillment: Was Online-Shops beachten sollten

Bei Produkten mit Mindesthaltbarkeitsdatum, Chargen- oder LOT-Kennzeichnung reicht es nicht, nur die Gesamtmenge eines Artikels zu kennen. Für Lagerung, Kommissionierung und Versand muss nachvollziehbar sein, welche konkrete Charge bzw. welches Datum im Bestand liegt und welcher Auftrag daraus bedient wird.

Welche Kennzeichnungen gesetzlich erforderlich sind, hängt von der jeweiligen Produktkategorie ab. Die Aufgabe des Fulfillment-Prozesses besteht darin, die vereinbarten Produktinformationen zuverlässig im Lager- und Versandablauf abzubilden.

Was bedeuten MHD, Charge und LOT?

MHD, Charge und LOT beschreiben unterschiedliche Informationen, die für Lagerung, Auslagerung und Rückverfolgbarkeit relevant sein können. Welche Kennzeichnung verwendet wird, hängt vom Produkt, vom Hersteller, vom Vertriebskanal und von den geltenden Anforderungen ab.

MHD

Mindesthaltbarkeitsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum beschreibt bei Lebensmitteln den Zeitpunkt, bis zu dem ein Produkt bei richtiger Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften behält. Diese Definition ist in der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 angelegt.

Charge

Produktions- oder Warencharge

Eine Charge ist eine abgegrenzte Menge von Produkten, die unter vergleichbaren Bedingungen hergestellt, verpackt oder zusammengeführt wurde. Im Fulfillment ist sie vor allem wichtig, damit Bestand, Sperrungen und Versand nicht nur artikelbezogen betrachtet werden.

LOT

Los- oder LOT-Kennung

Eine LOT-Kennung identifiziert ein bestimmtes Los bzw. eine Warenpartie. Für Lebensmittel gibt es mit der Richtlinie 2011/91/EU eine EU-Regel zur Loskennzeichnung.

Charge und LOT werden im Alltag oft ähnlich verwendet, sollten aber nicht automatisch als identisches technisches Feld verstanden werden. Hersteller, Warenwirtschaft und Lagerprozess können unterschiedliche Bezeichnungen oder Datenfelder nutzen.

Warum müssen Chargen und MHD im Lager sauber getrennt werden?

Wenn ein Artikel in mehreren Chargen oder mit unterschiedlichen Haltbarkeitsdaten im Lager liegt, reicht eine reine Gesamtbestandszahl nicht aus. Der Fulfillment-Prozess muss unterscheiden können, welche Menge zu welcher Charge, welchem LOT oder welchem Datum gehört.

Diese Trennung hilft bei der gezielten Auslagerung, bei gesperrter Ware, bei beschädigten Beständen, bei Rückfragen zu ausgelieferten Sendungen und bei Produkten, die nach MHD- oder Restlaufzeitregeln verschickt werden.

Chargenverwaltung im Fulfillment bedeutet, dass Bestände nicht nur nach Artikelnummer, sondern zusätzlich nach Charge, LOT oder Haltbarkeitsdatum unterschieden und verarbeitet werden können.

Was bedeutet Rückverfolgbarkeit im Fulfillment?

Rückverfolgbarkeit bedeutet, nachvollziehen zu können, woher ein Produkt bzw. eine relevante Produktcharge stammt und wohin sie weitergegeben wurde. Im Fulfillment unterstützt eine saubere Chargen- und Auftragszuordnung dabei, betroffene Bestände und Sendungen gezielt zu identifizieren.

Für Lebensmittel verlangt Artikel 18 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 Rückverfolgbarkeit über die Stufen der Produktion, Verarbeitung und des Vertriebs. Der Fulfillment-Prozess kann dafür relevante Bewegungen, Zuordnungen und Versanddaten abbilden, ersetzt aber nicht die rechtliche Verantwortung des jeweiligen Lebensmittelunternehmers.

Wichtig ist deshalb eine klare Aufgabenverteilung: Welche Daten stellt der Händler bereit, welche Daten werden im Lager erfasst, welche Informationen werden bei Versand oder Retoure dokumentiert und wie werden Abweichungen behandelt?

Was ist der Unterschied zwischen FIFO und FEFO?

FIFO

First in, first out bedeutet, dass die zuerst eingelagerte Ware auch zuerst ausgelagert wird. Diese Logik kann für viele Standardartikel sinnvoll sein, berücksichtigt aber nicht automatisch das kürzeste Haltbarkeitsdatum.

FEFO

First expired, first out priorisiert Ware mit dem früheren Ablauf- oder Mindesthaltbarkeitsdatum. Für Produkte mit Haltbarkeitsdaten kann FEFO passender sein als reine Wareneingangsreihenfolge.

FEFO ist eine operative Lagerstrategie und keine allgemeine gesetzliche Pflicht für jedes Produkt. Ob sie verwendet wird, sollte projektbezogen nach Sortiment, Vertriebskanal und Qualitätsanforderungen definiert werden.

Welche Daten sollten beim Wareneingang erfasst werden?

Der Wareneingang und die Lagerung entscheiden darüber, ob MHD-, Chargen- oder LOT-Informationen später zuverlässig genutzt werden können. Welche Daten erforderlich sind, hängt vom Projekt ab.

  • Artikelnummer und Produktbezeichnung
  • gelieferte Menge und Verpackungseinheit
  • Charge, LOT oder vergleichbare Kennzeichnung
  • MHD, Verfallsdatum oder anderes relevantes Datum
  • gegebenenfalls Seriennummern oder weitere Produktkennungen
  • Lagerstatus, Sperrstatus und sichtbare Abweichungen

Je früher Charge, MHD oder andere relevante Kennzeichnungen im Wareneingang korrekt erfasst werden, desto zuverlässiger lassen sie sich später bei Lagerung, Pick & Pack und Versand berücksichtigen.

Wie werden unterschiedliche Chargen im Lager geführt?

Ein Artikel kann gleichzeitig in mehreren Chargen, LOTs oder MHD-Ständen vorhanden sein. Deshalb müssen Lagerplätze, Bestandsbuchungen und Entnahmeprozesse so gestaltet sein, dass Bestände nicht unkontrolliert vermischt werden.

In der Praxis bedeutet das: Wareneingänge werden eindeutig erfasst, Bestände werden nach den vereinbarten Merkmalen getrennt geführt, gesperrte Chargen werden nicht für normale Aufträge freigegeben und die Auslagerungsregel berücksichtigt bei Bedarf das relevante Datum.

Der konkrete Prozess sollte immer zum Sortiment passen. Ein Onlineshop mit langlebigem Zubehör braucht andere Regeln als ein Shop mit Nahrungsergänzung, Verbrauchsprodukten oder Healthcare-Artikeln.

Wie wird beim Pick & Pack die richtige Charge ausgewählt?

Beim Pick & Pack muss der Auftrag nicht nur den richtigen Artikel anstoßen, sondern auch die passende Entnahmelogik. Je nach Projekt kann das eine bestimmte Charge, ein bestimmtes MHD-Fenster, eine FEFO-Regel oder ein Sperrstatus sein.

Kontrollschritte wie Scans, Abgleiche oder definierte Freigaben können helfen, Fehlgriffe zu vermeiden. Entscheidend ist, dass die Regeln vor Projektstart eindeutig festgelegt und im Lagerprozess konsequent abgebildet werden.

Bei chargengeführter Kommissionierung muss der Fulfillment-Prozess sicherstellen, dass nicht nur der richtige Artikel, sondern auch die nach der vereinbarten Logik richtige Charge entnommen wird.

Was bedeutet Mindestrestlaufzeit im Fulfillment?

Mindestrestlaufzeit beschreibt, wie lange ein Produkt ab Versand oder Warenausgang mindestens noch haltbar sein soll. Diese Vorgabe kann für Marktplätze, Händler, B2B-Kunden oder eigene Qualitätsstandards relevant sein.

Mindestrestlaufzeiten sind häufig eine vertragliche oder prozessbezogene Vorgabe zwischen Händler, Vertriebskanal und Fulfillment-Dienstleister. Welche Werte gelten, muss projektspezifisch definiert werden.

Wichtig ist, diese Werte nicht erst beim Versand zu klären. Sie beeinflussen Wareneingang, Lagerstatus, Auslagerungslogik und die Frage, wann Ware gesperrt oder mit dem Händler abgestimmt werden muss.

Wie hilft Chargenverwaltung bei Rückrufen oder gesperrter Ware?

Wenn eine Charge betroffen ist, muss der Prozess gezielt auf diese Charge zugreifen können. Dann geht es etwa darum, vorhandene Bestände zu identifizieren, Ware zu sperren, weitere Auslagerungen zu stoppen und betroffene Aufträge nachvollziehbar zu prüfen.

Auch Retouren können eine Rolle spielen, wenn zurückgesendete Ware wieder einer Charge, einem Status oder einer Sperrentscheidung zugeordnet werden muss. Der Fulfillment-Prozess kann diese operative Zuordnung unterstützen, ohne automatisch die gesamte regulatorische Rückrufverantwortung zu übernehmen.

Eine saubere Chargenlogik macht gesperrte Ware sichtbar und hilft, betroffene Bestände und Sendungen gezielt statt pauschal zu behandeln.

Was ist bei Nahrungsergänzungsmitteln besonders wichtig?

Bei Nahrungsergänzung und Wellness sind MHD, Los- bzw. Chargenkennzeichnung, Lagerbedingungen und Rückverfolgbarkeit häufig zentrale Prozesspunkte. Welche Anforderungen im Detail gelten, hängt vom konkreten Produkt, der Kennzeichnung und dem Vertriebskanal ab.

Für Fulfillment-Projekte ist vor allem wichtig, dass relevante Produktdaten vorliegen und operativ nutzbar sind: beim Wareneingang, im Lager, bei der Entnahme, beim Versand und bei möglichen Sperr- oder Rückfrageprozessen.

Gesundheitsbezogene Aussagen, Produktversprechen oder rechtliche Pflichtbewertungen gehören nicht in den Lagerprozess selbst. Sie müssen vom Händler bzw. den fachlich verantwortlichen Stellen geprüft werden.

Was gilt bei Medizin- und Healthcare-Produkten?

Bei Medizin und Healthcare können je nach Produkt zusätzliche Identifikations-, Dokumentations- oder Lageranforderungen relevant sein. Nicht jedes Healthcare-Produkt folgt derselben Logik und nicht jedes Produkt nutzt automatisch MHD, Charge oder LOT in gleicher Weise.

Bei Medizinprodukten kann die UDI-Logik der Verordnung (EU) 2017/745 relevant werden. Wenn Losnummer, Seriennummer, Software-Identifikation oder Verfallsdatum auf der Kennzeichnung erscheinen, können diese Angaben Teil der UDI-PI sein.

Das bedeutet nicht, dass ein Fulfillment-Dienstleister automatisch Hersteller-, Importeur- oder sonstige regulatorische Pflichten übernimmt. Für den Start sollten Produktkategorie, Kennzeichnung, Zuständigkeiten und Prozessanforderungen separat geprüft werden.

Welche Regeln müssen für MHD- und Chargen-Fulfillment festgelegt werden?

Damit MHD-, LOT- und Chargenprozesse im Alltag funktionieren, sollten sie vor dem Start als klare Projektregeln beschrieben werden. Das reduziert Rückfragen und verhindert, dass wichtige Entscheidungen erst während der Kommissionierung entstehen.

Produkt- und Bestandsdaten

  • Welche Produktdaten sind relevant?
  • Gibt es MHD oder Verfallsdatum?
  • Welche Chargen- oder LOT-Kennung wird verwendet?
  • Welche Lagerbedingungen sind erforderlich?
  • Welche Daten müssen im Auftrag dokumentiert werden?

Lager- und Prozessregeln

  • FIFO oder FEFO?
  • Welche Mindestrestlaufzeit gilt?
  • Wie werden gesperrte Chargen behandelt?
  • Wie werden Retouren einer Charge zugeordnet?
  • Wie werden Rückruf- und Sperrprozesse abgestimmt?

Wie kann pick-my-pack MHD- und Chargenprozesse abbilden?

pick-my-pack kann Fulfillment-Prozesse mit MHD-, LOT- und Chargenlogik projektbezogen abbilden. Vor dem Start werden die benötigten Produktdaten, Lagerregeln, Auslagerungslogiken und Kontrollschritte gemeinsam festgelegt.

Das eignet sich besonders für Sortimente, bei denen Lagerung, Fulfillment-Leistungen, Pick & Pack, Versand und Retouren nicht nur nach Artikelnummer, sondern zusätzlich nach Datum, Charge oder Status gesteuert werden müssen.

FAQ

Häufige Fragen zu MHD, Charge und LOT im Fulfillment

Was ist eine Charge im Fulfillment?

Eine Charge ist eine unterscheidbare Produkt- oder Warenmenge. Im Fulfillment hilft sie, Bestände, Entnahmen, Sperrungen und ausgelieferte Aufträge genauer zuzuordnen als nur über die Artikelnummer.

Was bedeutet LOT?

LOT bezeichnet eine Los- oder Chargenkennung. Sie kann genutzt werden, um Produkte einer bestimmten Warenpartie zuzuordnen. Die konkrete Bedeutung hängt vom Produkt und vom verwendeten System ab.

Was ist der Unterschied zwischen FIFO und FEFO?

FIFO priorisiert die zuerst eingelagerte Ware, FEFO die Ware mit dem frühesten Ablauf- oder Haltbarkeitsdatum. Für Produkte mit MHD kann FEFO operativ sinnvoller sein.

Wie wird das MHD im Lager berücksichtigt?

Das MHD wird beim Wareneingang erfasst und im Bestand geführt. Danach kann es für Lagerstatus, Mindestrestlaufzeiten, FEFO-Entnahme und Versandfreigaben berücksichtigt werden.

Was ist eine Mindestrestlaufzeit?

Eine Mindestrestlaufzeit beschreibt, wie lange ein Produkt beim Versand noch haltbar sein soll. Der Wert wird normalerweise projekt-, kanal- oder kundenspezifisch festgelegt.

Wie werden gesperrte Chargen behandelt?

Gesperrte Chargen dürfen nicht in normale Aufträge laufen. Sie sollten im Bestand klar markiert, physisch oder prozessual getrennt und nur nach Abstimmung wieder freigegeben werden.

Kann nachvollzogen werden, welche Charge versendet wurde?

Ja, wenn der Prozess diese Zuordnung vorsieht. Dann wird die entnommene Charge oder LOT-Kennung dem Auftrag bzw. der Sendung zugeordnet und bleibt für Rückfragen nachvollziehbar.

Was ist bei Nahrungsergänzung und Healthcare besonders zu beachten?

Produktkategorie, Kennzeichnung, Lagerbedingungen und Verantwortlichkeiten müssen separat geprüft werden. Fulfillment kann die vereinbarten Daten und Abläufe operativ abbilden, ersetzt aber keine rechtliche Bewertung.

Weitere Grundlagen findest du im Fulfillment-Wissen von pick-my-pack.

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